Bali            Java Sulawesi             Zurück nach Bali Galerie Home

 

Indonesien

(15.06.02 - 25.07.02)

1. Bali

Die erste Etappe der Weltreise führt uns in das indonesische Inselreich. Mit Cathay Pacific fliegen wir von Frankfurt aus via Hong Kong nach Denpasar auf Bali. Für den Weiterflug von Hong Kong nach Bali haben wir trotz unseres Economy Class RTW-Tickets beim Einchecken Sitze in der Business Class bekommen, was natürlich eine angenehme Überraschung darstellt. So können wir den sehr guten und aufmerksamen Service von Cathay Pacific auf dem viereinhalbstündigen Flug zur Urlaubsinsel Bali genießen. Ich finde, dass dies ein vielversprechender Auftakt zu der Weltreise ist.

Für den Anfang wollen wir dem Epizentrum des Touristenrummels in Kuta entgehen und buchen daher bei dem Vermittlungsbüro am Flughafen das preiswerteste vorhandene Hotel in Legian, d.h. etwas nördlich von Kuta. Wie sich zeigen sollte, ist dies dann mit 21 USD pro Nacht das teuerste Hotel während unseres ganzen Indonesienaufenthaltes. Dafür hat das Zimmer aber auch eine Klimaanlage sowie einem schönen Pool, in den man springen kann ohne befürchten zu müssen, sich irgendwelche Infektionen einzufangen.

Sowohl Holger als auch ich sind schon mal unabhängig voneinander in Bali gewesen, so dass es uns nicht zu den üblichen Touristenattraktionen zieht. Die ersten Tage nutzen wir, um uns an das tropische Klima zu gewöhnen und den Jet Lag zu verdauen. Das Wetter ist zwar tropisch heiß, aber die Luftfeuchtigkeit ist bei weitem nicht so hoch wie bei meinem ersten Besuch, der damals in die Regenzeit fiel. Insgesamt hat die indonesische Trockenzeit das gehalten was der Name verspricht. In den gut fünf Wochen im Juni und Juli haben wir nur 2 Regenschauer sowie ein paar wenige Tage mit etwas mehr Bewölkung erlebt. Die meiste Zeit schien jedoch die Sonne.

An dritten Tag in Bali wollen wir einen Ausflug zu dem berühmten Meerestempel Tanah Lot machen. Ich habe den Ehrgeiz mit öffentlichen Verkehrsmitteln, d.h. mit einem Bemo (=Sammeltaxi meist in Form eines japanischen Minibusses), nach Tanah Lot zu gelangen. Dies ist jedoch gar nicht so einfach. Die Touristenhochburg Legian / Kuta ist fest in der Hand der örtlichen „Transport-Mafia". Um aus Kuta hinaus zu gelangen, ist man gezwungen einen Privatwagen mit Fahrer zu chartern, zu Fuß zu gehen oder sich selber ein Auto zu mieten, was die teuerste Variante darstellt. Entlang der Hauptstraßen stehen überall junge Indonesier herum, die ihre Transportdienste den vorbeilaufenden Touristen anbieten („Do you need transport?"). Reguläre Bemos sind nirgends zu sehen. Nach ausgiebigem Handeln vereinbaren wir einen Preis für die Fahrt bis zum Busterminal von Denpasar. Dort kaufen wir auch direkt die Bustickets nach Java für den Folgetag und stiegen dann auf ein normales Bemo zu dem Ort Kediri um, wo wir ein weiteres Mal nach Tanah Lot umsteigen müssen. Während der Fahrt erfahren wir von einer jungen Indonesierin, dass wir für die gleiche Strecke viermal soviel bezahlt haben wie sie. In Kediri angekommen zeigt sie uns freundlicherweise nicht nur das richtige Bemo für die Weiterfahrt nach Tanah Lot, sondern macht auch gleich mit dem Fahrer den richtigen Preis aus. Damit haben wir für das erste Wegstück von Kuta nach Denpasar mit der „Transport-Mafia" 30.000 Rp bezahlt, das erste Bemo nach Kediri schlägt mit 10.000 Rp zu Buche und das zweite kostet dann nur noch 2.500 Rp. Solch ein Preisgefälle laß ich mir gefallen (1 EUR = ca. 8500 Rp).

Vor vier Jahren war ich bereits einmal in Tanah Lot, während Holger den Tempel noch nicht gesehen hatte. Er liegt wunderschön auf einer kleinen Felsinsel kurz vor der Küste. Nur bei Ebbe kann man ihn zu Fuß erreichen. Der Tempel an sich kann nicht besichtigt werden. Der Reiz liegt einzig in der schönen Lage und dürfte zu den meistfotografierten Highlights aus Bali gehören. Diese Lage am Meer ist aber gleichzeitig die größte Bedrohung des Tempels. Wir müssen mit Bedauern zur Kenntnis nehmen, dass gerade ein hässlicher L-förmiger Steg auf der dem Meer zugewandten Seite um den Tempel herumgebaut wird. Vermutlich soll diese Konstruktion den Tempel vor den heranbrausenden Wellen schützen und eine Unterspülung des Fundamentes verhindern. Damit ist aber leider auch die schöne Aussicht hinüber. Schade!

 

Tanah Lot 2002

 

1998 war der Blick auf Tanah Lot noch unverbaut.

Oben

2. Java

(21.06.02 - 03.07.02)

Java ist ein ziemlicher Kontrast zu der Urlaubsinsel Bali. Fast könnte man meinen, dass man in einem anderen Land angekommen ist. Bekanntermaßen sind die Balinesen überwiegend hinduistisch, während die Bewohner Javas Moslems sind. Allerdings ist der Islam indonesischer Prägung sehr liberal, so dass es uns manchmal gar nicht auffällt, dass wir in einem moslemischen Land unterwegs sind. Java ist das Herzstück des indonesischen Staates. Auf einer Fläche die ungefähr so groß wie England ist leben 110 Millionen Menschen. Die größten Städte und die industriellen Zentren sind hier zu finden. Das Bild wird eindeutig von den Indonesiern bestimmt, Touristen sind eher die Ausnahme bzw. gehen in der Masse unter. Gerade in Städten wie Surabaya sehen wir sehr wenige Weiße. Umgekehrt werden wir gelegentlich zur Attraktion für die Einheimischen und müssen häufig für ein Gruppenfoto posieren.

Unser erstes Ziel auf Java ist die Vulkanlandschaft um den Mount Bromo. Hierzu fahren wir mit einem regulären indonesischen Bus von Denpasar in die Stadt Probolinggo am Fuße des Bergmassivs, wo wir noch eine Nacht bleiben, bevor es ins Gebirge hinaufgehen soll. Etwas abgehetzt erreichen wir nach der langen Busfahrt abends das Hotel, welches wir im Reiseführer vorher ausgesucht haben. Wir nehmen sofort das erstbeste Zimmer für 40.000 Rp und glaubten ein Schnäppchen gemacht zu haben. Dann begeben wir uns schnurstracks in den Innenhof und setzen uns vor den Fernseher. Zusammen mit einer Handvoll Indonesiern schauen wir uns das gerade begonnene Viertelfinalspiel der Fußball-WM an (Deutschland gegen USA, 1 : 0). Ich habe den Eindruck, dass die Indonesier deutlich die deutsche Mannschaft favorisieren. Auch wenn Indonesien gar nicht an der Fußball-WM teilnimmt, ist das Interesse daran sehr groß wie wir mehrfach feststellen können. Sobald die Leute herausgefunden haben, dass wir Deutsche sind, kommen sie sofort auf das gute Abschneiden der deutschen Mannschaft bei der WM zu sprechen.

Später am Abend entdecken wir das unser so schön preiswertes Hotelzimmer ein paar Schönheitsfehler hat: Im Badezimmer müssen wir erst einmal auf Kakerlakenjagd gehen, die Toilette ist verstopft und Bettlaken zum Zudecken gibt es nur nach massiver Intervention an der Rezeption. Holger sorgt dann noch für eine erheiternde Einlage als er sich auf das hintere Ende seines Bettes setzt, woraufhin selbiges unter ihm zusammenbricht. Als er sich von dem Schreck erholt hat, verteilt er die knappen und viel zu dünnen Bretter des improvisierten Lattenrostes neu und legt sich dann ganz vorsichtig hin. Zum Glück hält diese Konstruktion für die restliche Nacht.

Am nächsten Morgen fahren wir mit einem Minibus zum Mt. Bromo (= Gunung Bromo) hinauf. Der für max. 15 Fahrgäste zugelassene Minibus ist mit 25 Passagieren recht gut besetzt. Unsere Rucksäcke werden auf dem Dach verstaut. Wenn es mal wieder zu eng wird, dann klettert dorthin auch der zweite Mann (während der Fahrt!), der die Passagiere einsammelt und das Fahrgeld kassiert. Nach der erfolgreichen Hotelsuche in dem Bergdorf Cemoro Lawang verbringen wir den restlichen Nachmittag damit, eine kleine Wanderung durch das Sandmeer einer riesigen Caldera zum Gunung Bromo zu machen. Über eine sehr lange Treppe steigen wir zum Kraterrand hinauf, geniessen die herrliche Aussicht und werfen einen Blick in den leicht dampfenden Schlund des Vulkans. Bei dieser Ortsbegehung wollen wir uns auch den Weg für den nächsten Morgen einprägen, denn wir planen, den Sonnenaufgang oben am Kraterrand zu erleben. Dies gehört sozusagen zum Standardprogramm aller Besucher am Mt. Bromo. Während wir an diesem Nachmittag die Vulkanlandschaft fast ganz alleine und in Ruhe genießen können, erwartet uns am nächsten Morgen eine herbe Überraschung. Anscheinend ist halb Java auf den Beinen, um sich den Sonnenaufgang dort oben anzuschauen. Wir reihen uns in den Tross der vorwiegend indonesischen Jugendlichen ein und trotten gegen 4.00 Uhr morgens durch die staubige Landschaft erneut zum Kraterrand. Aufgrund des immensen Gedränges schaffen wir es nur bis zum oberen Ende der Treppe am Kraterrand, dann ist einfach kein Weiterkommen mehr möglich. Der Sonnenaufgang ist tadellos, doch ist der Rummel der Romantik leider sehr abträglich. Die indonesischen Teenager haben vielfach Musikinstrumente und Radiorekorder der Gattung Ghettoblaster mitgebracht, um so richtig Partystimmung aufkommen zu lassen („Tanz auf dem Vulkan").

Ich habe den Eindruck, dass für die jungen Indonesier die morgendliche Kälte (< 10 °C) in dieser Höhe auch eine Attraktion darstellt. Wer in diesem tropischen Land mal so richtig frieren möchte, macht halt einen Ausflug zum Mt. Bromo. Die Indonesier, die Kälte nun überhaupt nicht gewöhnt sind, haben sich mit dicken Wollmützen, Schals und Handschuhen so richtig eingemummelt. Und wir Deutschen fahren nach Indonesien, weil es dort garantiert schön warm ist…

Gunung Bromo – Tanz auf dem Vulkan

 

Als wir wieder zurück in Probolinggo sind, haben wir noch eine Stunde Zeit bevor uns der nächste Bus ins 360 km entfernte Surakarta bringen soll (via Surabaya). Wieder sind wir die einzigen beiden Weißen im vollbesetzten Bus. Rückblickend muss ich sagen, dass dies eine der übelsteten Busfahrten während der ganzen Weltreise war. Nicht dass der Bus so unbequem gewesen wäre, oder dass es unerträglich heiß gewesen wäre, nein, wir hatten einen rücksichtslosen Fahrer erwischt. Ich war von einer früheren Vietnamreise schon einen ruppigen Fahrstil gewöhnt, doch dieser Fahrer setzte neue Maßstäbe für abenteuerliche Überholmanöver. Auf den viel befahrenen zweispurigen Landstraßen Javas kann man nach deutschen Maßstäben eigentlich gar nicht überholen. Doch hier gelten andere Regeln. Grundsätzlich wird auch an Stellen ohne Sicht ausgeschert, und wenn dann hinter der nächsten Kurve Gegenverkehr auftaucht, so spekuliert unser Fahrer darauf, dass dieser zuerst nachgeben, bremsen oder gar in den Straßengraben ausweichen wird. Wenn dem nicht der Fall ist, so wird das Fahrzeug, welches wir gerade überholen durch vorzeitiges Einscheren brutal zum Bremsen gezwungen oder gar von der Fahrbahn abgedrängt. Unser Bus überholt alles und jeden von langsamen Lkws, anderen Bussen, bis hin zu potentiell schnelleren Pkws. Ich versuche mich durch die Überlegung zu beruhigen, dass unser Fahrer bei einem Frontalzusammenstoß als erster dran glauben muss, worauf er sicherlich auch nicht scharf ist. Außerdem versuche ich mich durch Lesen abzulenken. Holger starrt jedoch wie gebannt auf die Straße und mehrfach höre ich ihn sagen: „Jetzt kracht es", so dass ich unwillkürlich aufblicke und den drohenden Crash schon fast fühlen kann. Doch zum Glück knallt es nicht. Im letzten Augenblick klärt sich immer die Situation, oft nur um Haaresbreite. Trotz dieses rasanten Fahrstils brauchen wir für die „nur" 360 km insgesamt ca. 10 h, so dass wir erst nach Einruch der Dunkelheit in Surakarta, auch kurz „Solo" genannt, ankommen.

In Solo bleiben wir 2 Tage und schauen uns zwei Paläste, auch Kratons genannt, aus der Vergangenheit der Halbmillionenstadt an, als hier noch die Sultane herrschten. Ein besonderes Highlight sind diese beiden Paläste jedoch nicht gerade, der Kraton von Yogyakarta gefällt mir deutlich besser. Dafür gibt uns diese wenig besuchte Stadt ein Feeling für Indonesien jenseits der Touristentrampelpfade. In Erinnerung bleiben wird mir der kleine Vergnügungspark an der Jalan Slamet Riyadi, den wir eher zufällig besuchen. Wir wollen eigentlich nur etwas Zeit bis zum Beginn einer abendlichen Tanzvorführung im Wayang Orang-Stil totzuschlagen als wir durch den Vergnügungspark schlendern.

Die Karussells und Losbuden sind so altmodisch und einfach, dass damit in Deutschland vermutlich keine Besucher mehr anzulocken wäre. Die Maßstäbe in Indonesien sind jedoch anders, hier finden die einheimischen Besucher die simplen Schaugeschäfte und Geschicklichkeitsspiele attraktiv und unterhaltsam. Mir wird beim Betrachten dieses scheinbar aus der Vergangenheit stammenden Vergnügungsparks ein bisschen warm ums Herz. Für ein paar Rupien machen wir auch bei einem einfachen Geschicklichkeitsspiel mit (Ringe werfen) und haben unseren Spaß dabei. Als Gewinne locken unter anderen so praktische Dinge wie Konservenbüchsen oder eine Packung Waschpulver. Die Betreiberin des Spiels ist sichtlich verlegen, dass 2 Touristen ihr einfaches Spiel ausprobieren. Es muss nicht immer Hightech sein, hier sind die Menschen auch mit weniger glücklich.

Nachdem wir in Solo vielleicht ein Dutzend westliche Ausländer gesehen haben, ist die Situation in Yogyakarta anders. Für 5000 Rp (ca. 0,60 €) fahren wir mit der indonesischen Eisenbahn in anderthalb Stunden in die „Kulturhauptstadt" Javas hinüber. Am Bahnhof lassen wir uns von den allgegenwärtigen Schleppern zu einem Hotel im Süden der Stadt fahren. Ein Verfahren, das ich normalerweise überhaupt nicht mag. Wir finden das nicht im Reiseführer gelistete Hotel „Harmony Inn" jedoch ganz hervorragend mit schönem Pool, AC, TV und ordentlichem Bad. Der Preis ist mit 90.000 Rp (ca. 10 €) auch in Ordnung. Trotz Hochsaison ist das Hotel vielleicht nur zur Hälfte belegt. Eine Anlage mit vergleichbarem Standard hätte in Bali locker doppelt bis dreimal soviel gekostet.

Am nächsten Morgen lassen wir uns von einem sehr eifrigen Becak-Fahrer zum hiesigen Sultanspalast, dem Kraton, radeln. Dort gibt es sogar eine deutschsprachige Führung durch die weitläufige Anlage. Besonders gefällt mir ein kleiner Pavillon mit vielen vergoldeten Verzierungen an der Dachkonstruktion (Foto).

Im Kraton von Yogyakarta

Am späten Vormittag gibt es dann noch eine kleine Tanzvorführung mit musikalischer Begleitung eines Gamelanorchesters. Dies lassen wir uns natürlich auch nicht entgehen.

 

Draußen vor dem Palast wartet immer noch unser gutgelaunter Becak-Fahrer, der uns nun weiter zu dem Taman Sari (Wasserschloss) bringen soll. Vorher wollen wir aber auch mal ausprobieren wie es denn so ist, ein Becak zu fahren. Unser Fahrer macht den Spaß mit und fühlt sich als Passagier in seinem eigenen Gefährt sichtlich wohl (siehe links).

Bald wird uns auch klar, wieso er uns für einen vergleichsweise niedrigen Preis den halben Tag herum kutschieren will. Bevor er uns zu dem Wasserschloss bringt, landen wir in einem der unvermeidlichen Batikläden. Dem Anstand halber schauen wir uns die durchaus geschmackvollen Exponate an, doch beißen die Verkäufer bei uns auf Granit. Sie ahnen natürlich nicht, dass wir noch 9 Monate Reisezeit vor uns haben, so dass wir wenig Lust verspüren, jetzt ein Batikgemälde zu kaufen, das wir nach riskantem und teurem Postversand dann nächstes Jahr wieder Zuhause vorfinden würden. Wie dem auch sei, nach diesem ungeplanten Zwischenstopp kommen wir schließlich nach Taman Sari. Nach unserem Rundgang ist unser „freundlicher" Becakfahrer übrigens verschwunden, obwohl er wieder versprochen hat auf uns zu warten.
Das Wasserschloss, das von dem Sultan Mangkubumi 1765 erbaut wurde, ist heute eher ein Wirrwarr aus verschiedenen mehr oder weniger erhaltenen Gebäuden, die nahtlos in ein Wohngebiet übergehen. Es macht uns dennoch Spaß, durch die verwinkelte Anlage zu spazieren, wobei wir auch eine unterirdisch gelegene Moschee entdecken und besichtigen.

 

 

Wasserschloss in Yogya: Bad im grünen Pool gefällig?

Oben

Am nächsten Tag folgt das Highlight unseres Besuches auf Java. Wir besuchen die beiden steinernen Zeugen der großen Vergangenheit Javas. Nicht zu Unrecht stehen die buddhistische Tempelanlage Borobodur und das hinduistische Pendant Prambanan auf der UNESCO Liste des Weltkulturerbes. Allein diese beiden Sehenswürdigkeiten wären eine eigene Reise nach Java wert.

Wir haben eine Minibustour gewählt, mit der wir frühmorgens, d.h. passend zum Sonnenaufgang nach Borobodur gelangen. Unmittelbar nach Öffnung der Anlage machen wir uns auf den Weg und stehen Minuten später zusammen mit ca. 20 anderen westlichen Touristen auf dem obersten Plateau des Tempelberges Borobodur, als die Sonne gerade hinter der Vulkankette am Horizont auftaucht. Das Farbenspiel und die friedvolle Atmosphäre am frühen Morgen vor dieser phantastischen Kulisse geben mir das Gefühl einer tiefen Zufriedenheit, der den Aufwand voll und ganz rechtfertigt, hierhin zu gelangen. Gut 2 Stunden bleiben wir in der Anlage, was eigentlich viel zu wenig ist, um die schier endlosen Fresken zu würdigen, die um den ganzen Tempelberg herum laufen. Immer wieder muss ich mich daran erinnern, dass diese Anlage vor knapp 1200 Jahren gebaut worden ist, als in Europa gerade das Reich Karls des Großen seine Blüte erlebte. Das ungefähr zur gleichen Zeit errichtete Oktogon des Aachener Doms sähe jedenfalls im Vergleich zu Borobodur ziemlich winzig aus - beides Gebäude auf der UNESCO Liste.

 

Morgenstimmung in Borobodur

Morgenstimmung in Borobodur

Nach einem Frühstück vor dem Eingang fährt unsere kleine Gruppe weiter zu dem zweiten Highlight des Tages. Die Architekten des rund 50 Jahre nach der Fertigstellung Borobodurs begonnenen Tempelkomplexes Prambanan hatten erstere Anlage sozusagen als Meßlatte vor Augen, und sie ließen sich beim Bau des Candi Prambanans nicht lumpen. Noch heute zeugt diese reich verzierte Tempelanlage von dem hohen kulturellen Niveau eines längst untergegangenen Königreiches. Während Borobodur eine sehr massives Bauwerk in Form eines Berges mit zahlreichen kleinen Stupas obendrauf ist, ist das hinduistische Prambanan ein weitläufiger Komplex mit sieben großen Tempeln im Zentrum. Diese einzelnen Tempel sind unter anderem den Hindugottheiten Shiva, Vishnu und Brahma gewidmet. Mit 45 Metern Höhe ist der Candi Shiva sogar noch höher als der „Tempelberg" Borobodur. Bei mittlerweile strahlendem Sonnenschein und zunehmender Hitze schweifen wir einige Stunden durch den Tempelkomplex. Die immer wieder neuen Perspektiven zwischen den Tempeltürmen laden zum Fotografieren ein. Daneben gibt es wieder kunstvoll verzierte Fresken zu bestaunen. Auch hier ist alles wieder mehr als 1000 Jahre alt!

Unsere weitere Reiseplanung wird von dem unerwartet guten Abschneiden des deutschen Teams bei der Fußball-WM und dem Fahrplan der indonesischen Schifffahrtsgesellschaft Pelni beeinflusst. Das Endspiel Deutschland gegen Brasilien wollen wir auf keinem Fall verpassen. Ursprünglich hatten wir vor, genau an diesem Abend mit dem Zug von Yogya nach Surabaya zu fahren. Stattdessen fahren wir einen Tag früher in die 4-Millionenstadt Surabaya. Mit dem „Sancaka-Express" verlassen wir um 15.45 Uhr Yogya, planmäßige Ankunft soll um 20.40 Uhr in Surabaya sein. Mit unserem 6 € teuren Ticket für die „Eksekutif"-Klasse fühlen wir uns wie die Könige. Wir genießen den Komfort der geräumigen Sitze des klimatisierten Waggons. Selbiger kann sein Alter zwar nicht verleugnen, doch empfinde ich Zugfahren viel angenehmer als Busfahren. Insbesondere wenn man einen Kamikazefahrer oder einen verhinderten Formel 1-Piloten als Fahrer erwischt.

Ständig werden Speisen und Getränke durch den Zug getragen, die jedoch wenige Abnehmer finden. Im Fahrpreis inbegriffen ist ein Becher Mineralwasser und ein Stück trockener Kuchen. Während der Fahrt habe ich ausgiebig Zeit, die abgeernteten Reisfelder zu betrachten, die jetzt während der Trockenzeit allerorten abgebrannt werden. Dies erzeugt ziemliche Rauchwolken, die den Sonnenuntergang milchig trübe erscheinen lassen. Monate später sollte ich eine ähnliche Situation in Guatemala erleben, jedoch in einem viel stärkeren Ausmaß.

In Surabaya hängen wir dann leider fast vier Tage fest. Dies liegt an dem ungünstigen Fahrplan der Schifffahrtsgesellschaft Pelni. Vorher geht einfach kein Boot nach Makassar auf Sulawesi, das unser nächstes Reiseziel ist. Nun ja, damit haben wir genügend Zeit diese Stadt kennenzulernen, in der es eigentlich nichts zu sehen gibt und wohin sich nur selten Touristen verirren. Von mir bekommt Surabaya jedenfalls das Prädikat fußgängerunfreundlichste Stadt der Welt verliehen. Ständig sind wir auf der Flucht vor dem mörderischen Autoverkehr. Beim Überqueren der mehrspurigen Hauptverkehrsstraßen muss man regelrecht um sein Leben rennen. Fußgängerampeln gibt es keine, dafür sind gelegentlich Fußgängerbrücken aus Stahl errichtet worden. Die Brücken liegen aber häufig so ungünstig, dass sie einen nicht unerheblichen Umweg bedeuten. Dazu kommt die enorme Hitze mit immer über 30 °C, die einem die Lust auf Treppensteigen sowieso verleidet. Die Bürgersteige sind entweder nicht vorhanden, in einem chaotischen Zustand oder mit Verkaufsständen und Warenladungen so voll gestopft, dass man wieder auf die Strasse ausweichen muss. Dort droht dann wieder die Gefahr, dass man von einem vorbeibrausenden LKW erlegt wird. Außerdem ist die Stadt so weitläufig, dass viele Strecken zu Fuß nur schwer zu bewältigen sind. Ein durchschaubares öffentliches Nahverkehrssystem können wir nicht entdecken. Die sonst so hilfreichen Becakfahrer sind in der Innenstadt leider verboten worden, da sie den viel schnelleren Autoverkehr ungebührend behindert hätten. Uns bleibt also häufig nichts anderes übrig als viele Strecken mit dem Taxi zurückzulegen. Glücklicherweise sind diese aber recht preiswert.

Am Sonntag lernen wir den 23jährigen Studenten A’an in einem der riesigen Einkaufszentren kennen, der uns für den Rest des Tages begleitet. Er spricht ziemlich gut Englisch und sucht gezielt Kontakt zu Touristen, um sein Englisch zu trainieren und natürlich als Führer ein kleines Zubrot zu verdienen. Auf seinen Vorschlag hin fahren wir am Abend zu der Sportsbar „Colors", die anlässlich des WM-Endspieles eine Party organisiert hat. Wir müssen 25.000 Rp Eintritt bezahlen, wofür es ein Bier, eine Schachtel Kretek-Zigaretten und einen Schokoriegel gibt. Der Laden füllt sich kurz vor Anpfiff des Spieles, welches auf einer Großleinwand und mehreren normalen Fernsehgeräten übertragen wird. Die Indonesier sind nun mehrheitlich für Brasilien und bejubeln dementsprechend den Sieg über Deutschland. Nun ja, wenigstens haben wir fernab der Heimat das Endspiel auf einer Großleinwand live verfolgen können.

Am Montag können wir im dritten Anlauf endlich unsere Tickets für die Überfahrt nach Sulawesi abholen. Bei unserem ersten Besuch war das Fahrkartenbüro geschlossen, beim zweiten Mal hatten wir zwar schon bezahlt, aber wegen eines Computerausfalls konnten die Fahrkarten nicht ausgedruckt werden. Am Nachmittag können wir im dritten Versuch endlich die Tickets für die Überfahrt in der Economy-Klasse in Empfang nehmen. Zum 1. Juli hatte es leider eine saftige Preiserhöhung gegeben, so dass die eintägige Überfahrt mit 151.000 Rp (ca. 18 €) zu Buche schlägt. Bis zur Abfahrt am Mittwoch, den 3. Juli, haben wir noch einen weiteren Tag Zeit. Um die Zeit totzuschlagen, entschließen wir uns am Dienstag in den Zoo zu fahren. Dort soll es ein Gehege mit den berühmten Komodo Waranen geben. Wir finden das Gehege schnell, und ich schieße ein paar Fotos von den urzeitlich aussehenden Riesenwaranen. Insgesamt macht der Zoo einen ganz respektablen Eindruck. Alle üblichen Tiergattungen sind in dem Zoo vertreten. Unverständlich finden wir nur, dass viele Besucher ihren Müll in die Tiergehege werfen. Der Umgang mit Müll in Entwicklungsländern ist sowieso ein Thema für sich. Wir sehen noch häufig die hässlichen Konsequenzen der Schmeiß-alles-weg-wo-ich-gerade-bin-Mentalität auf dieser Reise. Gerade auf einer so dicht besiedelten Insel wie Java kann es ohne ernsthafte Konsequenzen nicht mehr lange so weitergehen.

Bemerkenswert an unserem Zoobesuch finde ich auch, dass wir als westliche Besucher bei den Einheimischen bald mehr Interesse erwecken als die Tiere in den Käfigen. Sobald wir uns eine Weile an einem Ort aufhalten, kommen sie freundlich auf uns zu und bitten uns um ein Foto. Hat einer in einer Gruppe erst Mut gefasst, so müssen bald reihum mit allen verfügbaren Kameras Gruppenfotos mit uns gemacht werden. Nach unserem Zoobesuch sind wir bestimmt in ca. 10 indonesischen Fotoalben verewigt.

Am Mittwoch können wir dann endlich zum Hafen fahren und unsere Seereise nach Makassar antreten. Unser Schiff KM Bukit Siguntang ist ein richtig großer Ozeandampfer, der eine offizielle Kapazität von 2050 Passagieren hat und 1995 in Deutschland gebaut worden ist (= technisch also in Ordnung). Ich schätze aber, dass über 3000 Passagiere an Bord sind, als das Schiff ablegt. Doch allein das Einsteigen ist schon schwierig: Über 2 recht kleine Treppen wollen in Surabaya ca. 1000 Passagiere zusteigen, nachdem das Schiff mit 3 Stunden Verspätung aus Jakarta eingetroffen ist. Nachdem die Türen der Wartehallen zum Kai geöffnet worden sind, stürmen also die 1000 Passagiere plus eine größere Anzahl von mietbaren Gepäck- und Kistenträgern auf die 2 kleinen, engen Treppen zu. Dabei gilt es insbesondere für die Economy-Klasse Passagiere möglichst schnell an Bord zu kommen, um sich an oder unter Deck, in den Treppenhäusern, in den Matratzenlagern der Economy-Klasse, in den Gängen, oder sonst in allen denkbaren Hohlräumen des Schiffes einen brauchbaren Platz zu ergattern. Wir stecken also bald mit unseren dicken Rucksäcken in einem absolut chaotischen Menschenknäuel fest, dass sich Richtung der Treppen bewegt. Ordnungskräfte der Schifffahrtsgesellschaft Pelni beschränken sich darauf, am Zugang der Treppen mit Stöcken (!) auf die Passagiere und die besonders rücksichtslosen Gepäckträger einzuschlagen, wenn das Geschiebe mal zu groß wird oder gar nichts mehr vorwärts geht. Da ich immer ungefähr ein Kopf größer als alle Indonesier bin und die Gepäckträger die Kisten auf den Schultern oder auf dem Kopf tragen, habe ich die Gepäckstücke und Pakete immer in Gesichtsnähe um mich herum. Einmal wird mir die Brille von der Nase gestoßen, zum Glück kann ich sie reflexartig auffangen, bevor sie auf Nimmerwiedersehen im Gewühle verschwindet.

„Pass auf dein Portemonnaie auf. Mir hat gerade einer versucht, in die Tasche zu greifen" ruft mir plötzlich Holger zu, der ein paar Meter neben mir im Menschenknäuel feststeckt. Zum Glück hat er den Diebstahlversuch rechtzeitig bemerkt.

Als wir nach einer unendlich lange erscheinenden Zeit schließlich doch an Bord sind, suchen wir uns oben auf dem so genannten Sonnendeck einen Platz, wo wir unsere vorher gekaufte Strohmatte ausrollen und die Rucksäcke abstellen können. Während der Fahrt bläst an dieser exponierten Stelle der Seewind recht kräftig, und es ist für indonesische Verhältnisse kühl (= 28 Grad). Dafür ist dies aber die am wenigsten volle Ecke des ganzen Schiffes, vermutlich ist es den Indonesiern im Fahrtwind einfach zu ungemütlich. Insgesamt sind vielleicht 10 Europäer auf dem Schiff, die sich fast alle auf dieses Deck geflüchtet haben (2 Dänen, 2 Polen, ein paar Franzosen und wir beide). Die Überfahrt an sich verläuft dann ruhig und ohne weitere Vorkommnisse. Wie zu Beginn erwähnt, haben wir nur 2 Regentage in Indonesien erlebt. Und es kommt wie es kommen muss, wenn man Decksklasse gebucht hat: einer dieser raren Regenschauer erwischt uns am Nachmittag auf See. Wir kramen also schleunigst unsere Klamotten zusammen und suchen mit den anderen Decksklasse-Passagieren unter einem Vordach Schutz. Zum Glück ist der Schauer nur von kurzer Dauer und dank des stetig blasenden Seewindes trocknet das Deck bald wieder ab.

"Decksklasse" auf einem Pelni Schiff

Pelni „Decksklasse"

Wenn ich mich für die Wasch- und Toilettengänge sowie die Essenausgabe mal ins Innere des Schiffes vorwage, werde ich nur bestätigt, dass unsere Plätze gar nicht so schlecht sind. Die Essenausgabe ist auch so ein Highlight der besonderen Art: Tief im Bauch des Schiffes befindet sich die Kombüse. Man muss sich in eine unübersehbar lange Schlange einreihen und bewegt sich dabei durch die Matratzenlager der Economyklasse, wo die meisten Passagiere "campieren". Da viele Familien mit kleinen Kindern dabei sind und auch Hobbymusiker mit ihren Instrumenten reichlich vertreten sind, herrscht eine ordentliche Geräuschkulisse. Je näher man der Kombüse kommt, desto höher wird die Kakerlakenkonzentration. Bald laufen die Tiere in Kompaniestärke die Wände hoch und runter. Manch einem mag bei diesem Anblick schon der Appetit vergehen, mir vergeht er erst als ich mein Essen empfangen habe. Als ich an der Reihe bin, bekomme ich ein schmutziges Aluminiumtablett mit einem Haufen Nasi Putih (= gekochter Reis) und etwas Gemüse herübergereicht. An einer zweiten Ausgabe bekomme ich noch einen Fischkopf auf mein Tablett geknallt, von dem man nichts, aber auch gar nichts essen kann. Dafür ist das Essen im Fahrpreis inbegriffen. Zum Glück gibt es noch einen Kiosk, wo man für 5000 Rp. "Pop Mie" Instant-Nudelsuppen  kaufen kann. Damit und mit den überall erhältlichen Keksen überstehe ich die Fahrt ohne hungern zu müssen. Meine Mahlzeit auf dem zerkratzten Aluminiumtablett entsorge ich jedenfalls an Deck, nachdem sich Holger köstlich über den Fischkopf amüsiert hat.

Die Ankunft in Makassar verzögert sich bis zum Abend. Langsam legt das Schiff an dem Kai des Hafens an. Wieder werden ein paar wackelige Treppen an das Schiff heran bugsiert, worüber die Passagiere nun aussteigen sollen. Wir beobachten oben von der Reling, das viele Meter unter uns stattfindende Geschehen. Der Hafen ist bereits voller Menschen, die das stark verspätete Schiff sehnsüchtig erwarten. Darunter sind auch wieder die gefürchteten Gepäckträger, die hier alle eine Art braune Uniform tragen. Noch bevor irgend jemand aussteigen kann, stürmt diese Truppe in Windeseile das Schiff, um sich begehrte Gepäcktragejobs zu sichern. Affenartig ist die Art und Weise wie diese Leute die Treppen bewältigen. Nicht nur auf der Treppe, sondern auch seitlich klettern und krabbeln diese einheitlich braun gefärbten Ameisen in das Schiff hinein, als ob es um ihr Leben gehen würde. Vor den Ausgängen hat sich bereits ein Pulk derjenigen Passagiere gebildet, die hier aussteigen wollen. Die Träger preschen nun mit Vehemenz und ohne Rücksicht durch diese Passagiere hindurch. Als sich das größte Chaos gelegt hat, wollen wir unser Glück versuchen. Wir haben uns mit den beiden polnischen Travellern und den beiden Dänen zu einer Sechsergruppe zusammengetan. Möglichst dicht beieinander schieben wir uns durch das Gewühle und erreichen bald eine der schaukeligen Treppen. Als wir erst einmal auf der Treppe sind, haben wir das Gröbste geschafft. Dennoch bin ich heilfroh als ich den chaotischen Pier unbeschadet und in Besitz meiner beiden Rucksäcke verlassen habe. Als wir unser Hotel in der Innenstadt erreichen, merke ich erst wie erschöpft ich eigentlich bin. Nicht nur das Gewühle beim Aussteigen und das Schleppen der Rucksäcke bei 30 °C tragen dazu bei, sondern auch die fast schlaflose Nacht an Bord des Pelnischiffes. Nach einer höchst notwendigen Dusche falle ich erschöpft aufs Bett und schlafe sofort totenähnlich ein. Als Fazit lässt sich festhalten, dass dies ein unvergessliches Erlebnis gewesen ist, allerdings eins von der Sorte, die man nur einmal erleben möchte.  Oben

3. Sulawesi

(04.07.02 - 21.07.02)

Makassar, auch Ujung Pandang genannt, ist dann eine positive Überraschung. Die Millionenstadt ist deutlich aufgeräumter als Surabaya, auch Fußgänger bekommen eine Chance. Von der Uferpromenade kann man sehr schön die Sonnenuntergänge am Hafen genießen. Dort gibt es auch etliche Restaurants, die hervorragende Fischgerichte in allen Preisklassen servieren. In heißem Klima bevorzuge ich sowieso leicht verdaulichen Fisch, so dass ich in Makassar wie auch schon in Surabaya eigentlich nur Fisch esse. Wir bleiben jedoch zunächst nur einen Tag und fahren bald ins Torajaland (= Tana Toraja) nach Zentralsulawesi weiter.

 

Haus im TorajalandDie Kultur der Torajas ist einzigartig und hat sich in den letzten Jahren wohl zu der Hauptattraktion Sulawesis entwickelt. Das rund eine Million Köpfe zählende Volk der Torajas lebt im kühleren Hochland im Landesinneren auf über 1000 Metern Höhe. Oberflächlich sind die Torajas christianisiert, doch praktizieren sie viele ihrer traditionellen Bräuche weiter. Herausragend sind dabei die extrem aufwendigen Beerdigungszeremonien, die Felsengräber mit den lebensechten Holzpuppen der Verstorbenen und die Wohnhäuser mit den auffälligen bootsförmigen Dächern (siehe Foto). Ich finde diese Kultur ausgesprochen faszinierend und die vier Tage, die wir im Tana Toraja verbringen, sind für mich das Highlight unseres Indonesienaufenthaltes.

Für zwei Tage engagieren wir den Indonesier Gibson als unseren persönlichen Guide, den wir in unserer Hotelanlage kennen gelernt haben. Am ersten Tag besuchen wir mit ihm eine traditionelle Beerdigung zu der nicht nur etliche gerade anwesende Touristen kommen, sondern anscheinend auch das halbe Torajaland. Das ganze hat ausgesprochenen Volksfestcharakter. Je nach Bedeutung des Verstorbenen zu Lebzeiten kann man sechs verschiedene Klassen einer Beerdigung unterscheiden. Die einfachste Klasse ist die Beerdigung eines früh verstorbenen Kindes aus der unteren Gesellschaftsklasse (Disilli), die auch nur einen Tag dauert. Die steigert sich allmählich bis zu der sehr komplexen Beerdigungszeremonie eines Angehörigen der höchsten Klasse (Dirpai). Eine solche Beerdigung findet in zwei Teilen statt, wobei jede Zeremonie für sich alleine 7 Tage dauert. Dabei werden zahlreiche Büffel und viele Schweine geopfert. Wir haben das Glück, das gerade eine dieser seltenen Dirpai-Zeremonien in dem Ort Mengkendek südlich von Makale stattfindet. Natürlich sind wir nicht sieben Tage auf einer Beerdigung, sondern schauen uns die Festivitäten nur an einem Tag an. Dabei erwischen wir den Tag, an dem der Sarg der Verstorbenen von dem Haus der Familie in das eigens für die Beerdigungszeremonie errichtete Festhaus (lakkean) getragen wird. Das geschieht in einer Art Prozession, die für sich genommen schon ein sehenswertes Spektakel unter reger Beteiligung von mehreren hundert Torajas ist. Als nach ungefähr einer Stunde der Sarg in dem Gebäude angekommen ist, warten alle auf den ersten Stierkampf. Der erste Versuch wird von den Mitgliedern der Familie aus Sicherheitsgründen abgebrochen, da sich die Zuschauer nicht an einen Mindestabstand zu den Tieren halten wollen. Eine richtige Arena gibt es ja nicht, das ganze findet zwar auf dem aufwendig hergerichteten Festgelände statt, trotzdem können die Leute so dicht an die kämpfenden Tiere heran, wie sie es sich zutrauen. Dies scheint auch der gewisse Kick bei dieser Veranstaltung zu sein, denn beim zweiten Anlauf zu dem Stierkampf stürmen die Zuschauer ungeachtet der Warnungen Sekunden nach Beginn des Kampfes auf die Tiere zu. Wir versuchen von einem erhöhten Standpunkt aus, das Geschehen zu verfolgen, aber bald sehen wir nur noch einen Menschenknäuel und nichts mehr von den Tieren.

 

Stierkampf bei einer Beerdigung im Torajaland

 

Am folgenden Tag mache ich zusammen mit unserem Führer Gibson einen Ausflug in die abgelegeneren Bergdörfer nördlich von Rantepao. Zuerst fahren wir mit einem Bemo hoch in das Dorf Lempo. Ich habe ja schon einige klapprige Gefährte auf meinen Asienreisen gesehen, doch jenes Bemo, welches ich nun zusammen mit Gibson besteige, ist ziemlich rekordverdächtig. Aufgrund meiner Körpergröße darf ich links neben dem Fahrer Platz nehmen. Das Fahrzeug ist völlig heruntergekommen. Überall hängen lose Drähte herum, die meisten Innenverkleidungen sind verloren gegangen. Meine Beifahrertür muss ich ganz vorsichtig von Hand ins Schloss heben. Der Fahrer bittet mich, die Verriegelung in Form eines nackten Metallstiftes herunterzudrücken, damit die Tür nicht von alleine während der Fahrt aufgeht. Auf der steilen Gebirgsstrecke habe ich auch keine Lust in einer Kurve unbeabsichtigt aus dem Auto zu fallen und einen Berghang herunterzupurzeln. Das keine Sicherheitsgurte vorhanden sind, versteht sich ja von selbst. Die Fensterscheibe der Tür ist zwar prinzipiell noch vorhanden, doch schlackert sie lose in dem Türrahmen herum. Als ich sie mit beiden Händen versuchsweise mal hochziehe, rutscht sie sofort danach wieder herunter. Die zugehörige Fensterkurbel ist natürlich schon verloren gegangen. Nur gut das wir gerade Trockenzeit haben. Erstaunlich gut kommt der alte Wagen aber die steile Strecke hoch. Voller Stolz sagt der Fahrer neben mir, "this car has a strong engine." Das ist wohl die gekonnte Beschränkung aus das Wesentliche.

Blick in einen Minibus in Makale

Was würde wohl der TÜV dazu sagen?

 

Als wir in dem Dorf angekommen sind, geht es mit Gibson dann quer über eine große Reisterasse, die sich schön an einen Berghang schmiegt, nach Batu Tumonga. Von dort oben haben wir eine herrliche Aussicht über die umliegenden Reisfelder und das weite Tal unter uns. Nach und nach wandern wir wieder in das Tal herunter. In einem kleinem Dorf am Wegesrand findet auch gerade eine Beerdigung statt. Diese Zeremonie ist jedoch ungleich schlichter als das Spektakel vom Vortag. Der Tote ist als Arbeiter auf Irian Jaya an Malaria gestorben und zur Bestattung in sein Heimatdorf überführt worden. Selbstverständlich nimmt das ganze Dorf an der Beerdigung teil. Auch einige Schweine als Opfergaben kann ich entdecken, jedoch keine Wasserbüffel.

Am folgenden Tag schauen wir uns weitere Sehenswürdigkeiten im Umfeld von Rantepao auf eigene Faust an. Dazu fahren wir mir den Bemos in das 12 km entfernt gelegene Nanggala. Dort gibt es eine Anlage mit 14 alten Reisspeichern und einem wohl mehrere hundert Jahre alten Haus im traditionellen Torajastil. Auch wenn das Torajaland als touristisch erschlossen gilt, so trifft man doch außerhalb von Rantepao nur auf wenige andere Touristen. Die Einheimischen sind aber an die neugierigen Besucher gewöhnt, es herrscht immer eine freundliche und unverkrampfte Atmosphäre. Oben

 

Unsere Strandhütte in Bira Nach diesen kulturell interessanten Tagen im Torajaland verschlägt es uns als letzte Station in den kleinen Badeort Bira an der Südküste Sulawesis. Wir gelangen mit dem Bus via Makassar (ein Tag Pause) in den recht verschlafenen wirkenden Ort Bira. Den Aufenthalt dort empfinde ich als ausgesprochen erholsam, denn es gibt so gut wie nichts zu tun. Dafür lese und schwimme ich viel und quatsche mit Holger über Gott und die Welt. Das kulinarische Angebot ist ebenfalls sehr übersichtlich. Eigentlich kommen nur drei Restaurants in Frage, die alle so ziemlich dasselbe auf der Speisekarte haben. Damit gibt es alternierend an einem Abend gebratenes Hühnchen mit Reis und am anderen Abend dann gebratenen Thunfisch mit Reis. Erwähnenswert ist vielleicht noch, das unsere Behausung inkl. Frühstück nur 9 € pro Tag gekostet hat (Foto). Diesen günstigen Preis bekommen wir allerdings nur, weil wir eine ganze Woche bleiben. Der Ausblick von der Veranda unserer Strandhütte direkt am Meer ist wirklich phantastisch. Dazu kann ich direkt von unserer Hütte aus schnorcheln gehen. Die Hütte steht erhöht auf einer kleinen Klippe, von der man über eine hölzerne Treppe ins Meer hinabsteigen kann. Da die Hütte selber auch noch auf Stelzen steht, haben wir von diesem erhöhten Standort einen hervorragenden Panoramablick auf das Meer und eine gegenüberliegende Insel. Der Badeort füllt sich fast nur am Wochenende mit indonesischen Ausflüglern aus Makassar. Die Indonesier haben eine große Vorliebe für Karaoke und dementsprechend dröhnt am Samstagabend der Karaokegesang durch den ganzen Ort. Da an Schlaf nicht zu denken ist, gesellen wir uns zu einer Karaokeparty, von Betreibsangehörigen einer Fabrik aus Makassar. Wir bekommen ein Bier spendiert und werden bald zum Mikrofon gebeten. Wir trauen aber beide nicht unseren Gesangeskünsten, und verzichten auf eine Karaokeeinlage zu uns völlig unbekannten indonesischen  Schlagern.
Weiterhin fällt mir auf, dass die meisten Indonesier mit ihrer gesamten Kleidung ins Wasser gehen. Frauen gehen dabei zuweilen sogar mit Kopftuch baden. Da es ja immer warm ist, ist die Trocknung der nassen Kleidung am Körper eigentlich kein Problem. Mir fällt dazu nur der Spruch mit den anderen Sitten in den anderen Ländern ein. Während der Woche ist es dafür dann himmlisch ruhig. Wir teilen uns den ganzen Ort mit vielleicht 10 anderen westlichen Touristen. Nachdem mich fast alle Fische am Riff persönlich kennen, komme ich schließlich doch zu der Meinung, dass es an der Zeit sei abzureisen.

Für den Rückweg von Sulawesi nach Bali wählen wir das Flugzeug. Auf ein zweites Abenteuer mit den Pelnischiffen haben wir wenig Lust, zumal die Verbindungen auch sehr ungünstig sind. Wir hätten über 2 Tage für die Überfahrt mit 3 Zwischenstopps benötigt. Zusammen mit den ungünstigen Abfahrts- und Ankunftszeiten jeweils mitten in der Nacht wären damit also praktisch 4 Tage kaputt gegangen. Der One-Way Flug mit Garuda belastet dann mit 77 € die Reisekasse. Oben

Zurück in Bali

(22.07.02 - 25.07.02)

Wieder in Bali angekommen fahren wir diesmal direkt nach Ubud, welches nördlich von Denpasar inmitten von weiten Reisfeldern schon auf einer Höhe liegt, dass man abends eine leichte wohltuende Abkühlung verspüren kann. Dort wollen wir die letzten 3 Tage in Indonesien verbringen. Der Kontrast zu dem verschlafenen Bira hätte nicht größer sein können. Neben den Badehochburgen an Balis Südküste hat sich Ubud in den letzten Jahren von einem Geheimtipp zu einem festen Bestandteil der verschiedenen Rundreiseprogramme durch Bali entwickelt. Auf der Straße kommen uns mehr Touristen als Indonesier entgegen. Der gesamte Ort hat sich vollständig auf die Bedürfnisse der Touristen eingestellt, was natürlich auch seine Vorzüge hat. Doch mit dem „wirklichen Indonesien", wie wir es auf Java und Sulawesi erlebt haben, hat dieser Ort nicht mehr viel zu tun. Vorteilhaft sind die zahlreichen hervorragenden Restaurants in allen Preisklassen, die eine Abwechslung zu unserer Thunfisch- und Hühnchenkost à la Bira bieten. Auch kann man nach Herzenslust shoppen und die verschiedenen traditionellen balinesischen Tanzveranstaltungen wie z.B. Barong, Kecak oder Legong besuchen. Aus dem reichhaltigen Angebot picke ich mir einen Besuch bei einem Schönheitssalon heraus. Für umgerechnet 11 € lasse ich mich in einem professionell geführten Massagesalon anderthalb Stunden lang nach allen Regeln der Kunst durchkneten. Es folgt ein wohltuendes Kräuterbad. Während ich dieses unter freiem Himmel genieße, säuselt aus dem Hintergrund dezent indonesische Musik. Bei der hereinbrechenden Dunkelheit kann ich ein letztes Mal die unvergleichliche tropische Atmosphäre Balis genießen.

Für den letzten Tag auf Bali leihen wir uns Mountainbikes aus und machen eine schweißtreibende und nicht ganz ungefährliche Radtour (Verkehr!) zu einigen Sehenswürdigkeiten in der näheren Umgebung Ubuds. Zuerst besuchen die Tempelanlage Goa Gajah 5 km südöstlich von Ubud, dann die Wandreliefs von Yeh Pulu und zuletzt statten wir dem unvermeidlichen „Monkey Forest" nahe Ubud einen Besuch ab. Die Affen zu beobachten ist immer ein Spaß, so lange man nichts Essbares dabei hat. Denn dann werden die Tiere schnell rabiat und plündern hemmungslos die essbaren Mitbringsel. Die beiden Tempel im Wald finden wir auch ganz nett. Weniger nett finde ich, dass der Eintrittspreis kürzlich von 3.000 Rp auf nun 10.000 Rp mehr als verdreifacht worden ist.

Damit ist unsere Zeit in Indonesien auch vorbei. Gedanklich sind wir schon halb in Australien. Am letzten Tag fahren wir nachmittags mit einem Shuttlebus direkt zum Flughafen, wo wir uns für unseren Nachtflug nach Sydney bei Qantas einchecken.

Fazit zu Indonesien: Zuerst muss man zwischen Bali und Indonesien unterscheiden. Der Unterschied ist doch beträchtlich. Bali ist touristisch voll und ganz erschlossen, was seine Vor- und Nachteile hat. Trotz der hohen Intensität des Tourismus hat Bali es geschafft, seinen tropisch-exotischen Zauber über große Strecken zu bewahren. Nicht umsonst ist Bali kürzlich von dem British Airways Inflightmagazin „high life" in der Kategorie der besten Inseln auf Platz Nr. 1 gewählt worden („the immortal island"). Der geneigte Besucher benötigt allerdings auch ein dickes Fell, um trotz der omnipräsenten fliegenden Händler, T-Shirt- und Souvenirverkäufer nicht seine gute Laune zu verlieren.

Anders sieht die Situation auf den anderen beiden von uns besuchten Inseln Java und Sulawesi aus. Hier wünschte ich mir manchmal etwas mehr touristische Infrastruktur und Organisationsgeschick der Indonesier. So wollten wir ursprünglich auch noch die Togianinseln vor der Küste Sulawesis besuchen, doch als wir uns ausgerechnet hatten, dass dies vermutlich sechs reine Transporttage mit den wackeligen öffentlichen Verkehrsverbindungen bedeutet hätte, so haben wir dieses bestimmt interessante Ziel zugunsten eines längeren Aufenthaltes im Badeort Bira gestrichen. Die besondere Geographie Indonesiens macht das Reisen im Land mühsam und zeitintensiv. Im Vergleich zu anderen südostasiatischen Ländern gibt es auch nicht so viele touristisch interessante Ziele auf engem Raum. Für Indonesien auf eigene Faust braucht man viel Zeit, man kann dafür aber sehr interessante Kulturen (vgl. Tana Toraja) entdecken und gleichzeitig ist Indonesien ein sehr preiswertes Reiseziel. Auch vermitteln einige entlegenere Inseln und Orte ein intensives Am-Ende-der-Welt Gefühl.

Oben